Dienstag, 17. Juni 2008

EM 2008 in Concepción

Auf die Europameisterschaft 2008 hatte ich mich schon lange gefreut. Ereignisse wie eine EM ziehen mich immer wieder in ihren Bann, wenngleich der permanente Kommerz den Spaß an der Sache verderben kann. Ich lebe aber seit einiger Zeit fernab Europas und sehe fast nur den puren Fußball. EM-Partys, schwarz-rot-goldener Nippes und vieles andere erreichen Concepción überhaupt nicht, lediglich der tägliche Blick auf BILD.de zeigt mir, was ich gerade problemlos verpasse.
Ich verfolge das Turnier täglich beim Sportsender espn und bin begeistert. Noch nie habe ich eine solch kompetente Berichterstattung gesehen. Alle nötigen Informationen werden geliefert und alle Mannschaften mit gleichem Respekt behandelt. Auf unlustige Scherze wird verzichtet, dafür analysieren echte Experten die Partien, denen einen stokelnder Mario Gomez genug Stoff für gelungenen Spott bietet. Kein selbstverliebter Kerner oder Beckmann verderben mit dämlichen Kommentaren die Übertragung und bewertet die Leistungen von Ballack und Co. überhoch. Kleinere Fehler passieren natürlich, aber die sind schnell verziehen. So muss Fußballberichterstattung sein.
Schade ist eigentlich nur, dass ich die ganzen Spiele weitgehend alleine verfolge. Ich bin erst vor ein paar Tagen von Santiago nach Concepción gezogen und neue Bekanntschaften habe ich noch nicht knüpfen können. Die alten Fußballkumpels aus Deutschland werden die Begegnungen sicherlich lautstark gemeinsam schauen. In solchen Momenten vermisse die alte Heimat, immerhin sorgt ein Deutschlandschal über dem Fernseher im EM-Fieber in der neuen Wohnung. Meine Freuden und Ärgernisse über die Resultate teile ich im Cyberspace, außerdem muss meine Frau die tagtäglichen Weisheiten über das Spiel ertragen. Sie hat viel Geduld und schauspielerisches Talent, denn ich habe noch nicht herausgefunden, wie sie mir so interessiert zuhört, obwohl ihr die Euro 2008 egal ist. Heute hat sie allerdings zugegeben, dass sie plötzlich Deutschland gut findet. Jahrelang gehörte das DFB-Team zu ihren ungeliebtesten Mannschaften.

Kommentare:

  1. Huch, dann mach Dir mal Gedanken, wenn sie plötzlich Sympathien für WIR entwickelt. ;-)

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  2. Das ist alles jahrelange PR-Arbeit für "Wir".

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