Montag, 17. Januar 2011

In Nürnberg dabei


Manchmal betrachtet der “Fußball von unten” die Bundesliga von oben. Der Zeitpunkt, nach vier Jahren Pause wieder ein 96-Spiel im Stadion zu verfolgen, konnte kaum besser sein. Die Roten hatten zuvor fünf Spiele in Folge gewonnen und belegten für eine Nacht sogar den zweiten Platz. Hannover in der Saison 2010/11 ist nicht der erwartete Abstiegskandidat Nummer 1, sondern gehört zu den Überfliegern. Als Fan reagiert man schon verwirrt. Wo soll das noch hinführen?

Die 1:3-Niederlage in Nürnberg war daher fast ein dankbarer Rückfall in alte Zeiten. Überraschend war sie nicht, denn ich hatte Schuld an dem Debakel. Als Stadionbesucher hatte ich eine von Dieter Hecking trainierte Mannschaft noch nie verlieren sehen. Im August 2006 gewann seine Alemannia Aachen gegen 96 mit 3:0 und im September desselben Jahres siegten seine Roten in Wolfsburg mit 2:1. Meine Serie als Hecking-Glücksbringer setzte sich also fort.

Allzu ernüchternd war das Ergebnis trotzdem nicht, das Event „Auswärtsfahrt mit meinen Lieblingsklub“ stand für mich im Vordergrund. Endlich mal wieder lautstark „HSV, HSV“ zu schreien, endlich mal wieder nicht alleine ein Tor der Roten zu bejubeln, war den ganzen Aufwand wert. Ich hatte längst vergessen, wie schön es sein kann, frühmorgens durch eine verschneite Landschaft zum Peiner Bahnhof zu radeln. Gut, dass die alte 96-Bommelmütze noch passte, weil ich einen Tag zuvor mit der Reise vom sommerlichen Chile ins winterliche Deutschland einen Temperatursturz von gefühlten 96 Grad zu verkraften hatte.
In Hannover bot sich mir das einst gewohnte Bild. Die üblichen Leute schwirrten vor der Abfahrt des Zuges im Bahnhofsgebäude umher, als habe sich in all den Jahren nichts verändert. Es waren nur weniger Bekannte und so begann die Auswärtsfahrt etwas ruhiger. Die Gesprächsthemen waren jedoch diesselben: 96 und der Rest. Es sollte sich den ganzen Tag fortsetzen.

Im Frankenstadion selbst wurde mir vor Augen geführt, dass die Bundesliga wesentlich interessanter als das Gekicke in Chile ist. Die Plätze waren zwar nicht ausverkauft, aber gut gefüllt. Trotz eines mageren Spiels war die Stimmung nett. Es bereitete weit mehr Freude in der 96-Kurve zu stehen als irgendeine Partie der diversen Vereine Concepcións zu verfolgen. Bei den Roten schlägt das Herz eben mit. Leider passte das Ergebnis nicht. Das war aber auf der Rückfahrt schon fast vergessen. Die typisch deutsche Mischung zwischen Fußball und Bier macht selbst graue Spiele bunt. So genoss ich diese Art von Folklore.

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