Mittwoch, 12. Oktober 2016
Ein Fußballspiel ohne Ball
Dienstag, 2. September 2014
Länderspielpause
Sonntag, 31. August 2014
Schalke 04, Mainz 05 und die Zählerei geht weiter
Donnerstag, 21. August 2014
Das Warten hat ein Ende
Jetzt geht endlich die Bundesliga los. Mein liebstes Gesprächsthema kehrt zurück und ich weiß wieder, wo ich mich im Internet aufhalten muss. Gewiss, den Gewinn der Weltmeisterschaft habe ich auch kurz gefeiert, vor allem weil ich am Finaltag gerade in Deutschland war. Berauscht hat mich der Titel nicht. Letztlich ist so eine WM nur ein Lückenfüller.
Nun spielen die Roten. Wie gewohnt, werde ich die meisten Auftritte nicht sehen können. Der Sonnabend bleibt ein Arbeitstag und das Niedersachsenstadion zu weit von Concepción entfernt. Beim Heimaturlaub konnte ich wenigstens einen Auswärtskick der U-23 in Oldenburg verfolgen. Es war eine Auswärtsfahrt nach meinem Geschmack und erinnerte an die 96-Zeit der neunziger Jahre. Damals, als unvorstellbar war, je ein Spiel der Roten zu verpassen, obwohl die Erste Bundesliga nur ein schöner Traum war. Seitdem er in Erfüllung gegangen ist, habe ich die meisten Bundesligaspiele nur am Bildschirm gesehen. Man gewöhnt sich daran und das Interesse hat trotzdem nicht nachgelassen .
Ich traue den Roten eine gute Saison zu. In Chile werden die Medien etwas mehr berichten, nachdem Miiko Albornoz verpflichtet wurde. Schon jetzt werde ich häufiger auf 96 und Miiko angesprochen. Schafft er es in die Startelf, wird über Hannover sonntags im Sportteil der Hauptnachrichten berichtet. Dabei ist Albornoz eigentlich ein Unbekannter in Chile. In Lateinamerika hat er nie gespielt und in seinen Auftritten für die Nationalmannschaft hinterließ er auch keinen bleibenden Eindruck. Die Chilenen freuen sich allerdings über jeden Landsmann, der es in Europa schafft. Setzt sich Albonorz durch, wird 96 am anderen Ende der Welt endlich mehr als nur eine Zahl. Vielleicht könnte der Verein dann auf Reisen gehen. Ein Spiel der Roten in Santiago, das ist zurzeit ein schöner Traum.
Montag, 12. August 2013
Auftaktsieg gegen Wolfsburg
Donnerstag, 8. August 2013
Ausblick auf die Saison
Sonntag, 4. August 2013
Gegen Victoria Hamburg wurde die Sofablock-Dauerkarte 2013/14 eingeweiht
Samstag, 3. August 2013
Radiotage
Der neue Sportsender hat mich positiv überrascht. Von sport1.fm hatte ich eigentlich einen Werbesender mit Fußballberichten erwartet, was ich hörte, klang eher nach 90elf. Die Musikauswahl war identisch. Das Studioteam mit Markus Herwig und Alexander Ibenhain war dasselbe wie beimVorgänger. Das Geschwafel der beiden ist gewiss nicht jedermanns Geschmack, aber ich mag es. Es bringt in die Hochglanzbundesligamedienwelt ein bisschen Fanzine-Charakter hinein. Herwig und Ibenhain bejubeln nicht alles überschäumend, das tut gut.
Wohltuend war ebenso, dass auf Reklamesprüche während der Übertragungen verzichtet wurde. In chilenischen Sendern preisen die Kommentartoren inmitten ihrer laufenden Berichte Baumarktangebote, Waschmittel und Kaufhausketten an. Das stört das Erlebnis Radiofußball sehr. Ich hoffe, sport1.fm greift auch in Zukunft darauf nicht zurück. Jetzt braucht der Kanal nur noch einen Bolzplatznachfolger und sport1.fm gehört zu meinen täglichen Klicks im Internet.
Sonntag, 21. Juli 2013
Haarige Flitzer und diebische Stadionhunde: Tierische Fans beim chilenischen Fußball
Dienstag, 16. Juli 2013
Die Copa Chile: Pokalfieber mit niedrigen Temperaturen
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| Goooooooooool! 2:0 für die Mannschaft der Universidad de Concepción. |
Montag, 15. Juli 2013
Beschäftigungstherapie
Sonntag, 14. Juli 2013
Fußball Von Unten begleitet die neue Saison
Dienstag, 18. Dezember 2012
Fahnenverbote machen Chiles Stadien sicher

In der Regel begleiten sowieso nur eine Handvoll Gästefans ihre Mannschaften, was den Polizeieinsatz nicht rechtfertigt. Das Heimpublikum ist unter sich und das Verbot zerstört eine Einnahmequelle der Souvenirhändler. Die Stadien sehen ohne die Transparente trostlos aus. Immerhin halten sich die Hunde nicht an das Gesetz. Auf den Schildern an den Eingängen ist zwar deutlich zu lesen, dass sie nicht geduldet werden. Bislang sind streunende Vierbeiner wie gewohnt selbst bei wichtigen Finalspielen über den Rasen gelaufen.
Sonntag, 15. April 2012
Paradies Europapokal
Ich weiß jetzt, wo das Paradies liegt. Nein, nicht in Chile. Landschaftlich ist es gewiss wunderschön und über die Chilenen gibt es sehr viel zu Gutes berichten, aber hier und da sind unparadiesische Details zu erkennen. Zum Beispiel hat Hannover 96 noch nie in diesem Land gespielt, so bleibt zum Paradies ein langer Weg. Anders als meine Wahlheimat war Hannover irgendwie mit dem wundervollen Ort in den letzten Monaten verwachsen.
Dort gab es von August bis April nur noch glückliche Gesichter. Alle Probleme der Welt lösten sich an der Leine in Luft auf. Schlechte Laune? Nein, die hatte keinen Zutritt für Niedersachsens Landeshauptstadt. Sogar auf die Zeit öffnete sich eine bislang unbekannte Sichtweise. Es wurde nicht mehr Sekunden, Minuten oder Stunden gerechnet. Es gab nur noch vor, bei und nach dem Spiel (was wiederum vor dem Spiel ist.) sowie Anpfiff und Abpfiff. Die Urlaubstage waren unaufbrauchbar und Geldsorgen hatte in Hannover sowieso kein Mensch. Keine Reise war zu weit oder zu teuer, jeder war immer und überall dabei. Das Zauberwort hieß „Europapokal“ und war zugleich der Schlüssel zum Paradies.
Europapokal: Ich staunte jedenfalls nicht schlecht, was in den vergangenen Monaten möglich gewesen ist. Meine Freunde pendelten ganz selbstverständlich zwischen Poltawa und Madrid. Alte Flugängste wurden besiegt und alle Grenzen überwunden. Ja, ein bisschen Neid kam in mir auf, denn vom Europapokal hatte ich immer geträumt. Ihnen sei der Trubel gegönnt, sie hatten das in den grauen Jahren verdient. Wenigstens hatte ich es fernab des Geschehens und trotz Zeitunterschieds geschafft fast alle Begegnungen zu sehen. Die Partie in Brügge verfolgte ich sogar direkt am Sandstrand. Auch nett, trotzdem nicht das gleiche wie mit den alten Kumpels in belgischen Kneipen das Spiel auszuwerten.
Selbst vor dem Bildschirm habe ich die Europa League sehr genossen. Die gute Stimmung aus Hannover schwappte über den Atlantik. Der Donnerstag als 96-Spieltag entwickelte längst Routine und der Nebeneffekt mit den Ansetzungen am Sonntag war ebenfalls positiv. Teilweise gab es meinen Lieblingsverein dreimal pro Woche „en vivo“ im südamerikanischen Fernsehen. Da lohnt sich jeder Peso für den Kabelanschluss. Dem Sender Foxsports gebe ich allerdings die Schuld am Zerplatzen der roten Seifenblase. Dreimal strahlte der Kanal 96 aus und dreimal lief es schief.
Die Niederlagen gegen Madrid habe ich schnell abgehakt. Die Roten erreichten mehr als ich erwarten durfte, obwohl ich zwischendurch sogar von der Finalteilnahme überzeugt gewesen bin. Am Ende reichte es nicht, weil Hannover die Kraft ausging. Es bleibt die Hoffnung, dass die Europareisen von 96 fortgesetzt werden. Die Slomka-Elf muss sich in den letzten drei Spielen noch einmal aufrappeln und ist wieder im paradiesischen Europapokal dabei. Nicht nur wegen der internationalen Ehren drücke ich meine Daumen. Neuerdings bin ich auf Sonntagsspiele angewiesen, weil ich samstags arbeite.
Freitag, 26. August 2011
Weiter gegen Sevilla
In der Vorwoche wurde auf dieser Seite bereits über das donnerstägliche Ritual im Univiertel berichtet. Während also das Europapokalrückspiel in Sevilla an meinen Nerven zerrte, lieferten sich Polizei und Demonstranten wie gewohnt stundenlange Straßenschlachten unweit meiner Wohnung. Die Luft war beißend in der Nase und brennend in den Augen. Fenster zu lautete die Devise für den ungestörten 96-Genuss.
Was draußen passierte, ignorierte ich. Die Nacht zuvor hatte mich deprimiert und mir deutlich gemacht, dass ich am 25. August lieber in Sevilla mit den alten Freunden ausgelassen feiern sollte statt im chaotischen Chile zu sein. Derzeit wird zwar Landesgeschichte geschrieben, doch der Preis ist sehr hoch und bringt traurige Seiten ans Licht. Den Generalstreik der vergangenen Tage nutzten zahlreiche Kriminelle aus, um zu plündern und Barrikaden zu bauen, die nur der Befriedigung ihrer Zerstörungslust dienten, dem Studentenprotest allerdings einen Bärendienst erwiesen.
Ebenso wie die dunklen Gestalten bei den Scharmützeln der Nacht, verhindern stets die Steinewerfer eine vernünftige Diskussion zwischen Studenten und Politikern. Die Encapuchados – die Vermummten – sind derzeit täglich in den chilenischen Schlagzeilen. Dabei handelt es sich um meist junge Randalierer , die jede Demonstration mit Gewalt beenden. Sie sind eigentlich nur eine Minderheit bei den Protestmärschen, leider sind sie die auffälligsten Teilnehmer. Einmal in Fahrt haben Gewalt und Vandalismus freien Lauf. Die Polizei versucht das mit Tränengas und Wasserwerfern zu stoppen. Sinnlos, denn die Agressionen werden nur gesteigert und friedliche Demonstranten bekommen die Repressionen der Staatsmacht zu spüren, weil sie leichter zu verhaften sind.
Ich lies mich zum Glück von der Feierlaune der 96-Fans begeisterten und versank im Kosmos Internet. Ich erwartete ein schwieriges Spiel gegen den FC Sevilla. Die Spanier begannen stark, aber Hannover hat einfach eine richtig gute Mannschaft, die dem Ansturm standhielt. Das 1:0 durch Moa Abdellauoe löste einen Jubelsturm in der heimischen Wohnung aus. Die Gruppenphase war zum Greifen nahe, nur das Eigentor von Pogatetz zum 1:1 war etwas belastend für das 96-Herz. Es hielt bis zum Abpfiff durch, wenngleich es dem Infarkt nahe war. Die Gruppenphase hat Hannover sich verdient und wird sie in dieser Form auch überstehen.
Ich wollte nach dem Schluss gerne in einer der zahlreichen Kneipen an der nahen Plaza Peru feiern. Sie ist ideal für Europapokalpartys. In der Mitte steht ein Brunnen, ringsherum wird gut und gerne gesoffen. An diesem Donnerstag jedoch nicht, der Platz gehörte den Encapuchados und der Polizei. Der FC Vermummt lieferte sich einen revolutionären Kampf mit der Equipe Verde. Vermummen wollte ich mich nicht, sondern ganz offen meine Sympathien für Hannover 96 zur Schau stellen. Mir blieb mein Balkon, zwar nicht besonders lange, aber das Tränengas konnte meine 96-Euphorie nicht bremsen.
Sonntag, 21. August 2011
Ein gefühltes 2:1 gegen Hertha BSC
„Nein, Papa, ich will nicht Fußball gucken, ich will Fußball spielen“, erklärte mir mein Sohn vor der Partie gegen Hertha BSC Berlin. Es war 12 Uhr mittags und wir hatten den ganzen Vormittag auf dem Campus der Universidad de Concepción verbracht. Die streikenden Studenten hatten ein Familienfest organisiert, auf dem sich Diego pudelwohl fühlte. Die Sonne schien, es war sommerlich warm im chilenischen Winter. Ein idealer Tag, um mit einem anderen Jungen über den Rasen hinter einem Ball herzurennen. Sein Spielpartner wunderte sich, was ihm mein Sohn auf Deutsch-Spanisch stolz erzählte: „Eso es la camiseta von Sechsundneunzig“ Wie immer an Spieltagen trug er sein zu großes Trikot. Dass er als Fan Verpflichtungen hat, wollte er nicht einsehen, daher störte ich, als kurz vor Spielbeginn den Heimweg ankündigte. Ich vertröstete Diego, indem ich ihm verprach sofort nach dem Ende zurückzukehren.
Vor dem Fernseher angekommen, verschwand sein Zorn in sekundenschnelle. „Oh, sechundneunzig olé“, erkannte er und ich durfte mich 90 Minuten auf etwas anderes als ihn konzentrieren. Längst hat der kleine Jungen gelernt, wie heilig die Roten für seinen Vater sind und macht in der Regel alles mit. Mit Fahne, Mütze, Schal etc. ausgestattet setzte er sich mit aufs Sofa und sang „Alte Liebe“, jedoch sooft, dass man es ohne väterlicher Liebe als nervend bezeichnend könnte. Sein gutgemeinter Gesang endete mit dem Torjubel nach Pintos Treffer zum 1:0, ging dann in einen „Oh, 96 allez“-Dauersupport über und wurde durch Puddingkonsum gestoppt. „Sechsundneunzigpudding“, wie er festgestellt hat. Der Pudding schmeckte fast meisterhaft, was an der Blitztabelle lag.
So fühlt sich das also an, wenn man zwischendurch Spitzenreiter der ersten Bundesliga ist. Leider wehrte der Augenblick nicht bis zum Abpfiff. Am dritten Spieltag wurde den Roten ihr Standardergebnis der jungen Saison nicht gegönnt. Nach den 2:1-Siegen gegen Hoffenheim, Nürnberg und Sevilla gab es nur ein 1:1. Warum das Tor aberkannt wurde, war in der Wiederholung nicht zu erkennen. Der perfekte Start blieb ein unerfüllter Wunsch, doch 96 scheint sich erneut oben einzureihen. Der Mannschaft ist es gelungen sich zwischen den Europapokalabenden auf die Liga zu konzentrieren. Das Tempo war zwar nicht so hoch wie gegen Sevilla, aber zumindest eine Halbzeit lang bestimmte 96 das Spiel eindeutig. Im zweiten Durchgang schwanden die Energiereserven, die Folgen der Gala vom Donnerstag waren sichtbar.
Ich selbst war letztlich froh nach zwei Stunden Pause wieder raus ins Grüne zu dürfen. Der Tag war zu schön, um ihn vor dem Fernseher zu verschwenden und das Fest hatte sich inzwischen gut gefüllt. Diego verschwand in einer Hüpfburg. Ein einfacher Nachmittag für mich. Es war die bunte Seite des andauernden Studentenprotestes. Das nächste Spiel ist wieder Donnerstag und donnerstags knallt es am selben Ort, das erleichtert den Fußballfernsehkonsum. Für Straßenschlachten ist der bald Dreijährige noch zu klein.
Donnerstag, 18. August 2011
Internationale Klasse gegen Sevilla
Der erste Auftritt von Hannover 96 im Europapokal seit 19 Jahren erinnerte etwas an die letzte Vorstellung von Dynamo Dresden im Uefa-Cup vor zwei Dekaden. Steine, Bengalos und Molotow-Cocktails flogen umher. Die Bereitsschaftspolizei versuchte mit Wasserwerfern und Tränengas die Gegner im Schach zu halten. So sah das jedenfalls während und nach dem 96-Spiel in Concepción aus. Mit 96 hatte das natürlich weniger zu tun, selbst wenn die Beteiligten Spanisch sprachen. Die einzige Gemeinsamkeit dürfte vielleicht sein, dass Hannovers Fußballstil und Concepcións Art zu randalieren momentan wirklich internationale Klasse haben.
Ausschreitungen sind ein völlig normales Spektakel an chilenischen Donnerstagen. Seit Monaten protestieren die Studenten gegen das Bildungssystem und haben die Universitäten sowie Schulen besetzt. Donnerstags demonstrieren sie regelmäßig auf der Straße, was stets in Tumulten endet. Das Zentrum des Radaus ist meine Nachbarschaft. Als Anwohner habe ich mich damit arrangiert. An solchen Tagen müssen Besorgungen eben früher erledigt werden und Zitronen im Haus sein. Das saure Obst hilft gegen das Tränengas, mit welchem die Polizei mein Viertel einnebelt.
An diesem Donnerstag sollten mich die Straßenschlachten nicht weiter interessieren. Ich hatte nicht vor zur besten Steinewerfzeit meine Wohnung zu verlassen, denn zeitgleich lieferte 96 den Beweis europapokaltauglich zu sein. Ich lies also trotz des frühlingshaften Wetters die Fenster zu, um mir nicht durch das Tränengas die Sicht auf ein grandioses Spiel trüben zu lassen.
Was da über den Computermonitor flimmerte, war erstaunlich. Die Stimmung aus dem Niedersachsenstadion von Beginn an schwappte in mein Arbeitszimmer über. Die Roten stürmten los, trafen und meine Torjubel dürften die Bambule vor der Haustür für ein paar Momente unterbrochen haben. Hannover kickte also nicht nur international, sondern auch hervorragend. In der ersten Halbzeit war 96 den Gästen deutlich überlegen und es war schade, dass ich auf das Spektakel vor Ort verzichten musste. Eintrittskarten hatte ich, nur leider keinen Urlaub. Ich bin weit genug von dem Geschehen entfernt, um solche Versäumnisse zu verkraften. Ein Blick auf die Weltkarte genügt, allerdings spielte das wie beim Kampf um den Klassenerhalt in der Saison 2009/10 keine Rolle. Hannover ist in solchen Momenten in Concepcion spürbar.
Mit 2:1 wurde also Sevilla nach Hause geschickt. Die Partie war grandios, das Ergebnis jedoch lässt keine Planungen zu. Die Gruppenphase der Europa League ist noch lange nicht erreicht. Die Spanier werden in ihrem Heimspiel besser aufpassen und 96 nicht so einfach durch ihre Reihen tanzen lassen. Doch die Roten dürfen optimistisch sein. Sie haben gezeigt, dass sie eine richtig gute Mannschaft haben. Diese kann in Sevilla gewinnen.
Bis zum Rückspiel müssen die 96-Fans eine endlos lange Woche abwarten. Ich habe mir daher nach dem Abpfiff zum Zeitvertreib die Ausschreitungen vor der Haustür angeschaut. Neue Erkenntniss gab es nicht. Es brannten Barrikaden, flogen Steine und roch nach Tränengas. Das übliche Schauspiel an einem Donnerstag in Concepción. An mir rauschte das alles vorbei. Ich war mit den Gedanken ganz woanders.
Mittwoch, 17. August 2011
Chiles Mann in Sevilla

Wenn Hannover 96 versucht den FC Sevilla aus dem Europapokal zu schießen, schauen viele chilenische Fußballfans dem Spektakel zu. Für den spanischen Gegner läuft der Santiaguino Gary Medel auf, der in seiner Heimat ein Star ist. In der Nationalelf gilt der "Pitbull", wie er genannt wird, als feste Größe. Selbst als defensiver Mittelfeldspieler ist er torgefährlich und führt seine Teams zur Not mit der Brechstange zum Torerfolg. Sicherlich ist er nicht so technisch versiert wie sein Landsmann Alexis Sanchez, aber Medel wurde 2008 zu Chiles Fußballer des Jahres gewählt. Bereits in sehr jungen Jahren trat er sehr erfahren auf dem Platz auf und heute als 24-Jähriger hält er sein Gemüt etwas mehr im Zaume. Einer wie der Pitbull ist daher für jede Mannschaft eine Verstärkung.
Im deutschen Boulevard dürfte Medel in die Schublade der Kultkicker gesteckt werden, denn der Nationalspieler ist volksnah und ein Kind der Fankurve. Auch nachdem er seinen Heimatverein Universidad Católica (UC) in Richtung Buenos Aires verlassen hatte, zog es ihn immer wieder nach Santiago, um die Spiele der Cruzados zu sehen. Bei Boca Juniors war man nicht besonders glücklich, als das Fernsehen Gary Medel in der Fankurve von Católica zeigte. Bei Boca sah man den Abstecher als Verrat an, dabei standen sich die beiden Teams seit 2005 nicht mehr gegenüber. Der Chilene hatte ein freies Wochenende für einen Besuch in seiner Heimat genutzt. UC hatte ein wichtiges Spiel in der Meisterschaft und Gary Medel trommelte in der Fankurve seine Ex-Kollegen nach vorne. Das hatte Medel übrigens schon in Diensten von Católica getan, wenn er wegen diverser gelben und roten Karten nicht aufs Spielfeld durfte. In solchen Fällen mischte er sich unter die „Hinchas“ und übte sich als Anpeitscher.
Den europäischen Vereinen fiel er mit seinen Leistungen vor allem bei der WM 2010 auf, dabei wollte er Boca nicht verlassen. Weil die Blaugelben für den europäischen Markt ausbilden, stimmte er dem Verkauf in die spanische Liga zu und wechselte im Januar 2011 nach Sevilla. Spontane Heimflüge um Catolica anzufeuern sind nicht mehr möglich, aber die Chilenen behalten ihn im Auge. Seine Auftritte werden werden von den chilenischen Medien weiter verfolgt und so war es eine Schlagzeile wert, dass der Pitbull gegen 96 in der Startelf steht. Unerwähnt blieb jedoch, dass ihn ein Mad Dog beim Zug zum Tor aufhalten wird.
Dienstag, 26. Juli 2011
Der Europapokal verkompliziert alles
Ab Sonntag hat das Leben wieder einen Sinn. Mit dem DFB-Pokal beginnt die neue Saison und damit verschwindet diese unerträgliche Leere zwischen dem Samstagsfrühstück und den Stadionbesuchen in der chilenischen Liga. Es ist schwer zu sagen, wie 96 abschneiden wird. Die vergangene Spielzeit endete überraschend gut. Von einer Wiederholung dieser Erfolggeschichte gehe ich nicht aus, wenngleich ich nicht glaube, dass die Roten schlechter kicken werden. Der Kader wurde zusammen gehalten und verstärkt. Die Konkurrenz wird allerdings weniger Punkte verschenken, aber für einen Platz unter den ersten Acht sollte es reichen.
Das Überthema ist der Europapokal. Ein Erreichen der Gruppenphase wird von mir organisatorisch einiges abverlangen. Es gilt, den Donnerstagnachmittag von Arbeit frei zu halten. Bislang ist dieser vollbelegt. Es könnte passieren, dass das internationale Comeback weitgehend an mir vorbeirauscht. Ich versuche deshalb meine Erwartungen und Vorfreude mithilfe von rumpelnden Beispielen zu dämpfen und rufe mir Hertha BSC Berlin ins Gedächtnis, ein ideales Beispiel zur Euphoriebremsung. Gerade die Hauptstädter kennen die Uefa-Wettbewerbe als langweilige Plagerei. Ein 0:0 bei Nebel gegen irgendeine osteuropäische Mannschaft war Standard im leeren Olympiastadion. Der Europapokal ist vielleicht gar nicht so toll, wie er jetzt in Hannover beworben wird.
Doch 96 ist nicht Hertha. Als Gegner kann kommen, wer will, die Stars werden die Roten und der Wettbewerb an sich sein. Das Stadion füllt sich von alleine. Vor allem gibt es mindestens ein Pflichtspiel im Ausland und als 96-Fan hat man eine Lust auf neue Erfahrungen. So könnte im Falle eines traditionellen Weges, den viele Teams in der Postüberraschungssaison eingeschlagen haben, selbst ein Abstieg positiv verkauft werden: Nach zehn Jahren Bundesligaroutine treffe 96 endlich wieder auf neue Gegner in einer ganz anderen Liga. Wie bereits eingangs erwähnt, dürfte Hannovers Riege stark genug sein, um nicht den mahnenden Beispielen von Bochum und Nürnberg, die sich nach einem Superjahr unverhofft am Tabellenende wiederfanden, zu folgen.
Ich werde die Saison 2011/12 mit den bewerten Mitteln beobachten. Die Hausaufgaben sind gemacht. Der kleine Sohn hat ein paar Fanlieder dazugelernt und der Fußballsender golTV besitzt weiterhin die Bundesligarechte. Wenn die Roten freitags oder sonntags spielen, ist eine Fernsehübertragung gesichert. Im Internet werden sich auch ein paar Streams finden lassen und zur Not hilft das Bundesigaradio. Unklar ist noch, wieviele Auftritte vor Ort sehen kann. Die Kombination 96 + Europapokal = Sonderurlaub stößt bei meinen Arbeitgebern nicht auf die gleiche Begeisterung wie bei mir. Für mich spricht, dass ich weit und breit der einzige bin, der diese Argumente anführt.
Mittwoch, 13. Juli 2011
Saisonabschluss
Karsten ahnte nicht, dass Tobias ein glühender 96-Fan war, aber der vermeintliche Ignorant hatte lange abgeschaltet. Ein dreiviertel Jahr lang ist er mit dem Rad durch Chile gestrampelt. Auf seiner Reise lies er das Internet ebenso wie deutsche Zeitungen unangestastet. Einfach mal so richtig weg sein, lautete sein Plan. Tobias wollte raus aus dem Alltag und rein in das fremde Land am anderen Ende der Welt. Keine Notizen bei sozialen Netzwerken, keine Blogeinträge sollten ihn davon ablenken. Nachrichten aus Deutschland blieben in Europa. Ungewöhnlich in diesen Tagen, aber er war konsequent: „Früher gab es das auch alles nicht.“Tobias hat nie verstanden, warum einige Leute in ihrem Urlaub die ganze Zeit am Computer oder Telefon klebten, um der Welt mitzuteilen, wie lecker die Empanada und wie beschissen das Bahnhofsklo waren. „Am Internet kann ich zuhause genug abhängen“, war sein Kommentar.
Karsten fragte sich, ob er einem Menschen aus vergangenen Jahrhunderten gegenübersaß. Anders als Tobias genoss er das globale Dorf im kleinen Notebook. „Damit bin ich unabhängiger und kann von überall alles erfahren, was ich will.“ Er schrieb regelmäßig seinen Freunden nach Hause, so blieb auch während des Auslandssemesters in Kontakt. „Das stimmt, aber ich wollte nur das wissen, was ich mit meinen Augen sah.“ Bundesligaergebnisse waren daher ein Geheimnis des anderen Kontinents, obwohl Tobias im 96-Trikot durch die Atacama-Wüste radelte und mit einer schwarz-weiß-grünen Mütze durch die Nationalparks im Süden stiefelte.










